Rudolf von Österreich-Ungarn.html

 
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Kronprinz Rudolf (um 1880)

Rudolf, Kronprinz von Österreich-Ungarn (* 21. August 1858 auf Schloss Laxenburg; † 30. Jänner 1889 auf Schloss Mayerling) war der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Kaiserin Elisabeth und Erzherzog-Thronfolger von Österreich-Ungarn.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Frühe Kindheit

Kronprinz Rudolf als Kind

Der junge Kronprinz war sehr sensibel und sollte auf Wunsch des Vaters eine harte militärische Ausbildung erhalten. Der Sohn sollte ein guter Soldat, begeisterter Jäger und braver Katholik werden. Generalmajor Leopold Graf Gondrecourt wurde als Erzieher bestimmt. Der Haudegen ließ das Kind stundenlang in Regen und Kälte exerzieren, weckte ihn auch gelegentlich mit Pistolenschüssen und ließ ihn in den Wäldern des Lainzer Tiergartens plötzlich alleine, das Kind in Panik versetzend. Der erst sechsjährige Kronprinz wurde immer ernster, stiller und so schwach und verfallen, dass man Diphtherie vermutete. Ein Untergebener Gondrecourts, Joseph Latour, konnte dem Leiden des Jungen nicht länger zusehen und beschwerte sich bei Kaiserin Elisabeth, die auf Korfu weilte, um ihre Krankheit zu kurieren. Diese sah ihren Sohn im Sommer 1865 wieder und fand ihn so verschreckt und nervös vor, dass sie meinte, diese Art von Erziehung müsse Rudolf „beinahe zum Trottel“ machen. Elisabeth beschwerte sich beim Kaiser, der zögerte. Nie hatte dieser sich dem Willen seiner dominanten Mutter, Erzherzogin Sophie, widersetzt. Doch die sich ihrer Schönheit bewusste Elisabeth blieb hart und schrieb ein Ultimatum, in dem die Gefühlskälte im Inneren der höchsten Familie zum Ausdruck kommt:

Ich wünsche, dass mir vorbehalten bleibe unumschränkte Vollmacht in allem, was die Kinder betrifft, die Wahl ihrer Umgebung, den Ort ihres Aufenthaltes, die komplette Leitung ihrer Erziehung, mit einem Wort, alles bleibt mir ganz allein zu bestimmen, bis zum Moment der Volljährigkeit. Ferner wünsche ich, dass, was immer meine persönlichen Angelegenheiten betrifft, wie unter anderem die Wahl meiner Umgebung, der Ort meines Aufenthaltes, alle Änderungen im Haus etc. etc. mir allein zu bestimmen vorbehalten bleibt. Elisabeth. Ischl, 24. August 1865.

Gondrecourt wurde entlassen und vom Kaiser, dem die Sache unangenehm war, zum kommandierenden General des 1. Armeekorps befördert. An Gondrecourts stelle trat Latour, der sich so aufopfernd für Rudolf eingesetzt hatte.

Bearbeiten Joseph Latour

Zur Zeit seiner Berufung als Erzieher des Kronprinzen war Latour 44 Jahre alt und Junggeselle. Er hatte Jura studiert und war sieben Jahre lang Beamter gewesen, bevor er 1848 zu Radetzkys Fahnen nach Italien musste. Er kannte das Zivilleben und hatte nicht wie Gondrecourt fast das ganze Leben in Kasernen verbracht. 1860 wurde Latour Flügeladjutant der kaiserlichen Familie und genoss das persönliche Vertrauen des Kaisers und insbesondere das der Kaiserin. 1864 wurde er Untergebener Gondrecourts, 1865 zum Erzieher. Diesen Titel erhielt er allerdings erst 1870, die Stelle war also 5 Jahre lang nicht gesichert. Gegen Latour wurde jahrelang gekämpft und intrigiert. Er galt als Liebling der unbeliebten Kaiserin und als liberal, was für Erzherzogin Sophie schon fast als revolutionär galt. Doch Elisabeth trotzte den Intrigen und Anschuldigungen und hielt unbeirrt ihre schützende Hand über Latour, seine Untergebenen und natürlich ihren Sohn.

Bearbeiten Späteres Leben

Baroness Maria von Vetsera
Kronprinz Rudolf und Kronprinzessin Stefanie
Das Schloss Mayerling, Sterbeort von Rudolf und Maria Vetsera

Er unternahm zahlreiche Reisen, zunächst in Europa, später auch auf anderen Kontinenten, über die er mehrfach Berichte sowohl unter seinem Namen, als auch anonym verfasste. Darüber hinaus schrieb er eine Enzyklopädie Österreich-Ungarns. Außerdem war Kronprinz Rudolf ein angesehener Ornithologe. Er stand häufig mit seinem Vater in Konflikt, da er mit den Deutschliberalen und den Ungarn sympathisierte.

Auf Druck des Kaisers musste er 1881 Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II. heiraten. Sie war gleichzeitig auch Rudolfs Cousine zweiten Grades, da ihre Mutter Marie Henriette aus einer Nebenlinie der Habsburger stammte. Mit seiner Frau war er einige Zeit in Prag, wo es wiederholt zu Auseinandersetzungen kam - die beiden passten einfach nicht zusammen, zumal beide herrschsüchtig, unversöhnlich waren und sich daraufhin schnell entfremdeten. Bereits während der Schwangerschaft seiner Frau vergnügte er sich lieber mit seinen Freunden, mit Champagner und leichten Mädchen. Dies hatte Folgen, denn er steckte sich mit Gonorrhoe an und infizierte auch seine Frau, die aufgrund dessen unfruchtbar wurde. Im Jahr 1883 kehrte er mit seiner Gattin nach Wien zurück. Aufgrund der Erkrankung zog seine Frau Anfang 1886 die Konsequenzen und verbannte den Kronprinzen aus dem gemeinsamen Schlafzimmer. Dadurch trieb sie ihn aber erst recht in Gasthäuser und zu Prostituierten.
Stephanie selber lernte im Frühsommer 1887 auf einer Galizienreise, die sie gemeinsam mit Rudolf unternahm, den 15 Jahre älteren, verwitweten Graf Artur Potocki kennen, mit dem sie eine Affäre einging. Ob Rudolf dies nicht erfuhr oder er es nicht wahrhaben wollte, ist ungewiss. Er hielt sich in einschlägigen Wiener Lokalen auf und lernte so bei Madame Wolf 1886 Mizzi Caspar kennen. [1] Anlässlich der Geburt ihrer Tochter Elisabeth Marie kehrte das Ehepaar wieder nach Wien zurück.

Bearbeiten Mizzi Caspar

Die Edelprostituierte wurde am 28. September 1864 in Graz geboren und übersiedelte mit 18 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter nach Wien. Kurz darauf landete sie - offiziell von Berufs wegen Tänzerin oder Soubrette - in der Prostitution. Rudolf lernte sie durch die Kupplerin Frau Wolf kennen. Für Mizzi Caspar kaufte der Kronprinz ein dreistöckiges Bürgerhaus in der Heumühlgasse 10 (4. Wiener Bezirk), welches als exklusives Liebesnest für die beiden diente. Schmuck- und Geldgeschenke ermöglichten der jungen Frau auch nach dem vorzeitigen Tod ihres Geliebten ein sorgenfreies Leben. In einem Polizeiprotokoll gab sie allerdings später wortwörtlich an: K. R. war impotent und nur dann zum Coitus fähig, wenn er Champagner getrunken hatte. Zitat Neben ihr hatte der Thronerbe allerdings auch noch andere Frauen und Mädchen, mit denen er sich vergnügte, so im Frühsommer 1888 mehrere Wochen lang die Hoteliersgattin Annie Kuranda. Noch bevor er mit der jungen Vetsera in den Tod ging, schlug er im Dezember 1888 Mizzi Caspar vor, gemeinsam mit ihm Selbstmord zu begehen, sich im Husarentempel bei Mödling zu erschießen, was diese jedoch ablehnte. Sie meldete es zwar dem damaligen Polizeipräsidenten Baron Krauß, allerdings wurde der Liebesdienerin kein Glaube geschenkt und nichts unternommen. In einem seiner Mayerlinger Abschiedsschreiben gab der Kronprinz Anweisung, alles Geld, das sich in seinem Besitz befinde, Mizzi Caspar zu übergeben.[2]

Bearbeiten Rudolfs Tod

Rudolf litt unter starken Stimmungsschwankungen. Vermutlich nahm er sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Jänner 1889 in Schloss Mayerling durch einen Schuss in den Kopf das Leben. Die 17-jährige Baronesse Mary von Vetsera starb ebenfalls dort. Dem Bericht des Arztes zufolge war sie von Kronprinz Rudolf erschossen worden. Ob die Baronesse allerdings tatsächlich durch einen Kopfschuss starb, ist zweifelhaft. Die Wiener Hofärzte obduzierten den Leichnam des Kronprinzen und attestierten eine geistige Verwirrung, wodurch der Kronprinz mit allen kirchlichen Zeremonien beigesetzt werden konnte. Baronesse Mary wurde in das Stift Heiligenkreuz gebracht und auf dem Friedhof der Zisterzienserabtei beerdigt.

Der Verlauf der schicksalhaften Nacht ist bis heute ungeklärt, nachdem die Zeugen ihr Leben lang schwiegen oder widersprüchliche Aussagen machten. Viele Dokumente wurden vernichtet. Der Suizid des Thronfolgers erschütterte das Vertrauen in die habsburgische Monarchie. Die angebliche Tatwaffe befindet sich im Besitz Otto von Habsburgs, der sie aber, so lange er lebt, nicht herausgeben will.

Rudolfs Tochter Elisabeth Marie (1883–1963) war später mit Otto zu Windisch-Graetz (1873–1952) verheiratet. Nach ihrer Scheidung von diesem heiratete sie den Sozialisten Leopold Petznek.

Bearbeiten Filme und Musicals

Der Sarg Rudolfs (rechts), neben seinen Eltern in der Kaisergruft in Wien

Die Geschehnisse um Schloss Mayerling waren beliebtes Thema in Filmen:

Von den Vereinigten Bühnen Wien wurde ein Musical über die Lebensgeschichte des Kronprinzen in Auftrag gegeben. Rudolf wurde im Jahr 2006 in Budapest (in ungarischer Sprache) uraufgeführt, die deutschsprachige Fassung soll ab Frühjahr 2009 im Wiener Raimundtheater gezeigt werden.

Bearbeiten Ahnentafel

Ahnentafel Rudolf von Österreich-Ungarn
Ururgroßeltern

Kaiser
Leopold II. (HRR) (1747–1792)
∞ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745–1792)

König
Ferdinand IV. (Neapel) (1751–1825)
∞ 1768
Maria Karolina von Österreich (1752–1814)

Pfalzgraf
Friedrich Michael von Pfalz- Birkenfeld (1724–1767)
∞ 1746
Maria Franziska Dorothea von Pfalz- Sulzbach (1724–1794)

Erbprinz
Karl Ludwig von Baden (1755–1801)
∞ 1774
Amalie von Hessen- Darmstadt (1754–1832)

Herzog
Wilhelm in Bayern (1752–1837)
∞ 1780
Maria Anna von Zweibrücken- Birkenfeld (1753–1824)

Herzog
Ludwig Maria von Arenberg (1757–1795)
∞ 1788
Anne de Mailly- Nesle (1766–1789)

Urgroßeltern

Kaiser
Franz II. (HRR) (1768–1835)
∞ 1790
Maria Theresa von Neapel-Sizilien (1772–1807)

König
Maximilian I. Joseph (Bayern) (1756–1825)
∞ 1797
Karoline Friederike Wilhelmine von Baden (1776–1841)

Herzog
Pius August in Bayern (1786–1837)
∞ 1807
Amalie Luise von Arenberg (1789–1823)

Großeltern

Erzherzog Franz Karl von Österreich (1802–1878)
∞ 1824
Sophie Friederike von Bayern (1805–1872)

Herzog Max Joseph in Bayern (1808–1888)
∞ 1828
Ludovika Wilhelmine von Bayern (1808–1892)

Eltern

Kaiser Franz Joseph I. (Österreich-Ungarn) (1830–1916)
∞ 1854
Elisabeth in Bayern (1837–1898)

Rudolf von Österreich-Ungarn (1858–1889)

Bearbeiten Literatur

  • Brigitte Hamann: Kronprinz Rudolf. Ein Leben. Amalthea, Wien 2005, ISBN 3-85002-540-3 (als Taschenbuch: Piper, München 2006, ISBN 3-492-24572-2).
  • Rudolf. Ein Leben im Schatten von Mayerling. Ausstellungskatalog, Wien 1990.
  • Brigitte Hamann: Rudolf. Majestät, ich warne Sie..., Geheime und private Schriften, Wien/München 1979.
  • Sigrid-Maria Größing: Rudolf. Herzensbrecher, Freigeist, Psychopath, Salzburg 2006.
  • Georg Markus: Kriminalfall Mayerling. Leben und Sterben der Mary Vetsera. Mit neuen Gutachten nach dem Grabraub, Wien/München 1993.
  • Oscar von Mitis: Das Leben des Kronprinzen Rudolf, Leipzig 1928.
  • Friedrich Weissensteiner (Hg.): Lieber Rudolf. Briefe von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth an ihren Sohn, Wien 1991.
  • Frederic Morton: Herbstwalzer. Chronik um Erzherzog Rudolf auch erschienen unter dem Titel Ein letzter Walzer. Wien 1888/89, Deuticke, Wien 1997

Bearbeiten Einzelnachweise

  1. Robert Seydel: Die Seitensprünge der Habsburger, S. 101-102, Carl Ueberreuter, Wien, 2005
  2. Robert Seydel: Die Seitensprünge der Habsburger, S. 101-109, Carl Ueberreuter, Wien, 2005

Bearbeiten Weblinks

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